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Die damalige Leiterin einer Außenwohngruppe des "St. Vinzenz am Stadtpark", ein Wohnheim für geistig behinderte Menschen, hat mich im Jahr 2000 gebeten, mit den Bewohnerinnen und Bewohnern eine Theatergruppe aufzubauen. Unvoreingenommen von dem, was mich möglicherweise erwartete, ging ich auf die Bewohner zu, lernte sie kennen - sie lernten mich kennen - und begann, ihnen das Theater schmackhaft zu machen. Da die Gruppe so unterschiedlich in ihren Fähigkeiten bzw. Stärken ist, ist eine "normale" (!?) Theaterarbeit nicht möglich. Man schreibt kein Stück, geht auf die Gruppe zu und sagt: "Lernt euren Text, in einem halben Jahr führen wir auf!" Hier geht man auf die Gruppe zu, lernt sie kennen, arrangiert sich mit ihnen und lernt in einem langwierigen Prozess die Fähigkeiten, die Stärken und Schwächen des Einzelnen kennen. Dieser Prozess - so habe ich es erlebt, so erlebe ich es immer wieder - bietet so viel Überraschungen, da man das Petential, was in dieser Gruppe steckt, erst nach und nach ausschöpft. Das hört sich vielleicht hochgestochen an, soll es aber nicht, und ich verstehe mich nicht als Chef oder Leiter einer Gruppe, sondern als Freund der Gruppe, der auch mitschauspielert.; logisch, denn die Schauspielerei macht mir ja auch sehr viel Spaß. Gerade bei einer solchen Gruppe ist das disziplinierte Miteinander sehr wichtig, aber nicht unbedingt selbstverständlich. Nur wenn eine freundschaftliche Basis geschaffen ist, kann man richtig Theater spielen. Die Grenzen zwischen Realität und Theater erwies sich oft als fließend. Erschwerend kommt hinzu, dass wir bisher nur im Wohnhaus proben können, und man dort von Alltäglichkeit abgelenkt wird. Für vielen ist es schwierig, den Unterschied zwischen der Wirklichkeit und der Theaterwelt zu erkennen, so wurden gespielte verbale Gewalt oft als Realität empfunden, für die man sich entschuldigte. Doch das andere Theater bietet unmengen von Möglichkeiten. Ziel kann es nur sein, dass der Zuschauer zwar über ungewöhnliches lachen kann, die Behinderung jedoch nicht mehr sieht. Dass das möglich ist, zeigen andere Projekte, wie beispielsweise das Theaterprojekt aus "Bethel" bei Bielefeld. Theater ist immer professionell, wenn es vor Publikum gezeigt werden soll, und eine gewisse Professionalität muss verlangt werden, den berühmten "Behindertenbonus" lasse ich nicht gelten. Der Einzelne soll in seinen schauspielerischen Tätigkeit gelobt sein, nicht aber deshalb, weil man einem behinderten Menschen so etwas nicht zugetraut hätte oder weil man aus Mitleid eine eventuell eher mäßige Leistung lobt. Ich würde sonst unehrlich sein, wenn ich Theaterarbeit mit geistig behinderten Menschen anders werte.
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