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Reden ist Silber
„Reden ist Silber und Schweigen ist Gold“, denn nur die Gedanken sind wahrhaftig frei. Jeder darf denken, was er will, er darf auch – soweit die Theorie – sagen und auch schreiben, was er denkt; er darf seine Meinung frei äußern. Nur sollte er, bevor er sein Sprach- bzw. Schreibwerkzeug benutzt, gut überlegen, welche Konsequenzen ihm blühen könnten. Zwar bleibt er juristisch gesehen straffrei; doch wird er nicht selten anderweitig bestraft. Reden ist Silber, also nicht Gold; mit anderen Worten: Wer das Gold will, sollte lieber die Klappe halten. Wer aber auf Gold verzichten kann, sollte das Silber nicht all zu stark verunreinigen. Er sollte seinen verbalen Erguss unter Kontrolle halten, vor dem Reden folglich das Gehirn einschalten. Doch der Redner oder Schreiber möchte auch erhört oder gelesen werden. Viel zu schnell wird er da überhört oder überlesen. Was nützt es, wenn ein Text zwar den Nerv des Lesers trifft, der aber die Aussagen brav abnickt, dann den Text wieder vergisst? Oftmals müssen Texte so formuliert sein, dass dieser den Leser mit Schmerzen vom Hocker haut; möglicherweise wird der Leser erst dann langfristig aufgerüttelt. Oft hört man den Satz „Ich möchte, dass es nicht an die große Glocke gehängt wird!“ Da hängt schon im relativ Kleinen so viel dran. Nee, so relativ klein ist das auch nicht: In der Politik verliert man möglicherweise ein Amt, im sogenannten Kleinen möglicherweise den Job und die damit verbundene Existenz zum Leben. Ja, es ist einfach zu sagen, „Dann sag´ doch mal was!“ Da wird oftmals übersehen, dass das mit Ängsten verbunden ist. Und es fehlt oftmals auch die Kraft, den damit verbundenen Druck auszuhalten. Und was ist, wenn es anders verstanden wird, als es gemeint war? Andererseits: Es wird sich nichts ändern, wenn man nicht darüber redet. Schlimmer: Es geht so weiter, wie bisher. Schweigen ist bequem, aber nur für den Augenblick. Reden ist Silber und es ist nicht alles Gold, was glänzt... Oder – ich setze noch einen drauf: Was nützt es, wenn die Gedanken frei sind, der Körper aber gefangen...
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