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Über ein lustiges Völkchen
Und dann regen wir uns über niedrige Löhne auf, über die Ausbeutung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Schlecker und Co., aber wir kaufen dort gerne ein, weil es dort so hübsch billig ist. „Billig will ich“, hieß einmal ein Slogan eines Discounters. Und dieses lustige Völkchen regt sich auch darüber auf, dass die Nebenstraßen im Winter nicht von Schnee und Eis geräumt werden; und dass der Winterdienst nicht an 100 Stellen gleichzeitig sein kann. Und überhaupt, man bedenke die zahllosen Schlaglöcher in den Straßen. Und wer möchte weniger Steuern zahlen? Richtig – sie ahnen es schon – es ist das selbe lustige Völkchen. Übrigens, das selbe Völkchen wünscht sich Hallenbäder in jedem größeren Ort mit möglichst kostenlosen Eintritt... Obwohl unser Völkchen hier sehr lustig dargestellt wird und Lachen ja bekanntlich gesund ist, verbringt es doch viele Tage beim Onkel Doktor. Das viele Fleisch schlägt dann doch wohl auf den Magen, die vielen nicht ausgebesserten Schlaglöcher erzeugen „Rücken“ und das ewige Sich-Aufregen geht aufs Gemüt. Wie schön, dass unser Gesundheitswesen für alles den passenden Arzt, das passende Gerät und die richtige Pille bereit hält. Hauptsache wieder gesund, koste, was es wolle. Aber bezahlen möchte das lustige Völkchen für seine Gesundheit wenig oder am Liebsten gar nicht. Besser soll alles werden, aber nicht teurer... Die Lieblingsbeschäftigung unseres recht lustigen Völkchen ist – wie wir vielleicht schon bemerkt haben – Meckern. Obwohl Meckern an sich ja kostenlos ist, meckern komischerweise meistens die Leute, die sich durchaus einen Kostenbeitrag fürs Meckern leisten könnten. Noch gibt es keine „Meckersteuer“. Da jedoch das Word-Programm den Begriff „Meckersteuer“ nicht als falsch unterschlängelt („Nörgelsteuer“ übrigens auch nicht!), gehe ich davon aus, dass an dieser Steuer bereits gearbeitet wird. Warum ist Meckern bei dem lustigen Völkchen so beliebt? Natürlich; es ist nicht nur recht günstig, sondern auch bequem. Und es verschafft – neben einigen gesundheitlichen Nebenwirkungen – eine gewisse Genugtuung, die spätestens dann so richtig einsetzt, wenn der Nörgler sagen kann: „Ich habe es euch immer gesagt." In diesem Zusammenhang sind die Witzigsten aus unserem Völkchen die berühmten Nichtwähler, denn sie meckern über eine Politik, für die sie nicht gestimmt und gegen die sie sich nicht gewehrt haben. Meckern kann jeder, es ist günstig und bequem, und es ist doch angenehmer zu meckern als angemeckert zu werden. In einem Verein ist doch meist derjenige der Dumme, der alles macht, die anderen können draufhauen, wenn er es mal anders oder gar nicht (mehr) macht. Wer aber wirklich etwas bewegen will, sollte nicht all zu viel von diesem lustigen Völkchen lernen. Ein Stein kommt nicht nur durch bloßes Meckern ins Rollen, er muss angestoßen werden.
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