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Wie wichtig ist Kirche

Als ich noch unter den Fittichen meiner Eltern war, war der sonntägige Kirchgang selbstverständlich (und) Pflicht. Mit dem Erwachsenwerden spürte ich auch eine Gewisse Gottesgegenwart, zumindest innerhalb dieser 45 Minuten, in denen ich meinen Alltag ruhen lassen konnte. Nun nehme ich es mit dem Kirchgang nicht mehr so genau, gehöre auch zu den sogenannten „U-Boot-Christen“, die nur zu Ostern und Weihnachte vor dem Altar auftauchen. So wie mir, geht es vermutlich vielen. Kirche ist, so sagen viele, nicht mehr zeitgemäß und nicht attraktiv genug. „Ich kann an Gott glauben, ohne dieses sonntägige Ritual“, meinen viele. Natürlich, nach unserem christlichen Verständnis ist Gott allgegenwärtig. Aber reicht dieser unterschwellige Glaube, dass es so ist, aus, um den eigentlichen Glauben an und der damit verbundenen Liebe zu Gott gerecht zu werden? Gerade in einer schnelllebigen Zeit laufen wir doch Gefahr, den Blick fürs Wesentliche – das muss nicht, kann aber auch Gott sein – zu verlieren. Ein geliebter Mensch möchte sich doch auch von seinen Partner bekümmert wissen; einmal um sich geliebt zu fühlen, zum anderen, damit er weiß, dass er nicht in Vergessenheit geraten ist. Das Problem beim Glauben an Gott ist, dass wir Gott nicht sehen. Da könnte die Kirche doch einen nötigen Halt geben.

Dass Kirche ohne Glaube nicht funktionieren kann, ist klar; auch wenn innerhalb der Kirche der Glaube ab und an verloren gehen kann. Kann aber der Glaube an Gott ohne Kirche sein? Auch auf Dauer? Können christliche Werte und damit das Erbe Christi ohne Kirche weiter existieren? Ist nicht der Glaube in der Gemeinschaft (was ja Kirche ausmachen sollte) viel fester als nur der individuelle Glaube?

Kirche und kirchliche Einrichtungen sehen im Weiterleben der christlichen Werte ihren Sinn; ansonsten gebe es keinen Grund, sie kirchlich zu nennen. Und der überzeugte Christ ist sicherlich stolz und glückliche, in einer kirchlichen Einrichtung seine Überzeugung ausleben zu dürfen. Und er wird im Glauben durch das gemeinschaftliche, christliche Handeln gestärkt. Insofern ist Kirche, in welcher Form auch immer, für den Glauben wichtige Unterstützung. Weiter „ausschweifen“ müsste man, wenn man sich die Frage stellt, wie zeitgemäß und attraktiv Kirche sein kann und darf.

Während die Kirche, also das Gotteshaus, dazu da ist, Glauben zu vermitteln und zu feiern, handelt die kirchliche Einrichtung direkt am Menschen und vermittelt auf diese Weise christliche Werte. Damit diese Werte nicht verloren gehen – da ja auch hier nur mit Wasser gekocht wird –, benötigt die Einrichtung ein Leitbild. Hier könnte die Bibel dienen, da diese ja die Basis unseres christlichen Handelns darstellen sollte. Da vermutlich die Bibel zu umfangreich und damit zu unpraktikabel ist, wurde ein christliches Leitbild entwickelt, in dem für einen Christen nichts neues drinstehen sollte.

Das Handeln nach einem Leitbild, und damit nach christlichen Maßstäben ist nur dann möglich, wenn es hierfür ein Fundament gibt. D. h., das Haus muss christliches Handeln zulassen bzw. hierzu Bedingungen schaffen. Das kann sie am ehesten, wenn sie selbst nach dem christlichen Leitbild lebt.

In einer kirchlichen Einrichtung sollten die christlichen Werte, die jeder einzelne Mitarbeiter in die Einrichtung bringt, geschätzt werden. Dies spiegelt sich im Umgang mit Kolleginnen und Kollegen untereinander und im Umgang von Vorgesetzten und den Mitarbeitern wider. Gerade im Letzteren sollte die kirchliche Einrichtung ihr vorhandenes Potential ausspielen, denn im Miteinander kann Kirche wachsen.

Immer mehr Einrichtungen, darunter auch sogenannte kirchliche Einrichtungen, gliedern einzelne Bereiche aus um Personalkosten zu sparen. Der Grund: Die kirchlichen Tarife sind oft höher. So gehören Mitarbeiter nicht mehr dem kirchlichen Tarif an, obwohl sie im Auftrag eines kirchlichen Trägers arbeiten. Kirchliche Werte werden vom Arbeitnehmer verlangt, doch wenn es um wirtschaftliche Interessen geht, werden solche Werte nicht selten ignoriert.

Wenn die ohnehin „sterbende“ Kirche seine Einrichtungen durch wirtschaftliche Belange verliert, so verliert der Glaube nach und nach seinen Halt.

Ein Nichtchrist würde möglicherweise eine solche Entwicklung begrüßen, denn warum sollte Kirche eine Sonderstellung haben, mit welchem Recht mischt sich eine Religion derartig ins Sozialleben ein? Aber warum sollte er ohne Kirche dann noch glauben, dass wir es ernst meinen mit unserem Glauben?


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