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Übers Herrschen
Die Frau, so sagt man, denkt und handelt mehr aus einer Gefühlsebene heraus, während ihr Gegenpart, also der Mann, vieles eher sachlich betrachtet. So kann sich der Mann nicht so leicht zu übermäßig vielen Gefühlen hinreißen lassen, und schon gar nicht über diese – Frauen werden es bestätigen – reden. So gesehen passen Mann und Frau doch hervorragend zusammen: Während sie für das „Planlose“ zuständig ist, versucht er – so gut es geht – Herrscher der Lage zu sein. Schließlich soll nichts außer Kontrolle geraten. Wenn Gefühle zu Gefühlsduseleien werden, sozusagen nicht mehr beherrschbar sind, kann dies sehr schön sein (...), aber auch äußerst schmerzlich. Aber davon geht – wie man so schön sagt – die Welt nicht unter. Man fängt sich bald und blickt in vielen Fällen optimistisch nach vorne. Das sogenannte „Restrisiko“ ist überschaubar... Anders sieht es bei viel größeren Projekten aus, besonders dann, wenn man (hier: mit einem „n“ geschrieben) glaubt, alles im Griff zu haben. Natürlich plant der „Planende“ ein Restrisiko ein, doch glaubt er an sich und an sein Können, alles irgendwie wieder im Griff zu bekommen. Solange es läuft, so lange ist alles gut; solange er kleinere Probleme lösen kann, solange ist (immer noch) alles gut. Ein GAU ist ein größter anzunehmender Unfall, also ein Ereignis, das der Mensch letztendlich mit eingeplant hat. Er nimmt dieses Ereignis als Möglichkeit an – vielleicht im Sinne von akzeptieren oder besser „hinnehmen“ –, und hat somit (hoffentlich) eine Lösung parat. Ein Super-GAU ist zwar eine Superlative zum „einfachen“ GAU, ist aber nicht mehr beherrschbar. Dass es zu diesem sogenannten Super-GAU kommen kann, ist den Menschen bewusst, denn es ist ja auch ein „größter anzunehmender Unfall“, nur viel „größer“. Dass dieser Super-GAU nicht beherrschbar ist, auch das ist den Menschen bekannt. Hingenommen wird dann auch die Tatsache, dass – wenn es zum Super-GAU kommt – etliche Menschen qualvoll sterben werden. Noch vor einigen Tagen hat man geglaubt, einen Super-GAU in deutschen Kernkraftwerken würde es niemals geben, obwohl ironischerweise ein großer Unfall annehmbar war und ist. Nun ist in Japan genau das passiert, was durchaus im Rahmen des Möglichen lag und liegt, was allerdings von vielen wiederum optimistisch ausgeschlossen wurde. Hier ist die Sache außer Kontrolle; hoffen wir auf ein Wunder... Was hat sich für die Kernenergie geändert? Nichts! Die Kraftwerke sind genauso sicher und unsicher wie vorher. Und sie werden immer sicher und unsicher bleiben, denn das Restrisiko bleibt. Die Betreiber des Kernkraftwerkes in Japan planten Erdbeben der Stärke 8,0 ein; es wurde ein Beben der Stärke 9,0 gefolgt von einem Tsunami. In Deutschland sind Beben dieser Größe ausgeschlossen, dies meint der Wissenschaftler und es gibt schlüssige Erklärungen. Doch wir erinnern uns: In Japan hielt man ein Beben der Stärke 9,0 ebenfalls für undenkbar... Der Mensch spielt Lotto und hofft, dass ausgerechnet er die Millionen abräumt, obwohl die Wahrscheinlichkeit verschwindend gering ist. Der gleiche Mensch setzt auf eine Technologie, die er nur bis zu einem bestimmten Maße beherrschen kann und hofft, dass die geringe Wahrscheinlichkeit eines Super-GAUs nicht eintrifft. Hier ist er überzeugt von seinen (Be-)Herrscher-Qualitäten und von der „ihm zugewandten Wahrscheinlichkeitsrechnung“. Möglicherweise wird der Mensch irgendwann einmal sein menschliches Versagen beherrschen, nicht aber die natürlichen Kräfte der Erde, von der er zwangsläufig abhängig ist... Mit der „Sachlichkeit eines Mannes“ nahm man der Herausforderung der Technik an. Zurück bleibt nicht nur das Gefühl der Hilflosigkeit, sondern die bittere Realität der Hilflosigkeit. Und so verzweifelt ich versuche, ein glückliches Ende zu finden, umso mehr sehe ich, dass es kein anderes Ende gibt; rein sachlich gesehen.
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