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Wie wichtig ist Glaube

Opti und Pessi aus dem Hause „Mist“ wollen eine Fahrradtour machen. Pessi befürchtet jedoch ein Gewitter, während Opti Mist meint, das bleibe schön. Als sie unterwegs sind, zieht es sich zu und in der Ferne sieht man schon die ersten Blitze. „Das zieht vorbei“, meint Opti. Pessi bekommt ein wenig Angst. Kurz Zeit später beginnt es zu regnen und das Gewitter kommt näher. Opti Mist beruhigt: „Wir werden schon nicht vom Blitz getroffen!“ Pessi schimpft und meint, es wäre besser gewesen, wenn man zuhause geblieben wäre. Wenig später werden beide vom Blitz getroffen!

Nun, Pessis Befürchtungen sind also eingetreten und Optis Zuversicht wurde maßlos enttäuscht. Dies bestätigt doch die weit verbreitete Meinung, Optimisten seien Träumer. Pessimisten behauptet hingegen von sich, Realisten zu sein.

Mag sein, dass ein Optimist ein unbelehrbarer Träumer ist, der ohne Sorgen durch die Gegend marschiert. Doch er ist in dieser Zeit zufrieden, während der selbsternannte Realist immer mit dem Schlimmsten rechnen muss. Klar, in der obigen Geschichte behält er Recht, aber er hat kaum Zeit, seine Rechthaberei auszuleben. Andersherum wird der Träumer enttäuscht, doch hat er ebenso wenig Zeit, sich dieser Enttäuschung bewusst zu werden.

Natürlich macht man bei einem heran ziehenden Gewitter keine Fahrradtour, doch hätte die Geschichte auch positiv enden können. Opti und Pessi kommen heile zuhause an. Nur, wer von den beiden hatte die schönere Radtour, Opti oder Pessi?

Im Glauben an Gott ist es vielleicht ähnlich: Obwohl einiges für die Existenz Gottes spricht, kann niemand mit Gewissheit sagen, dass er nach dem Tod auch weiter lebt. Und der Tod spielt in unserem Glauben eine große Rolle, dann ohne diesen Tod dürfte sich kaum einer nach einem Gott sehnen. Dies sollte aber nicht so verstanden werden, dass der Glaube eine Erfindung des Menschen ist, weil er mit dem Tod nicht klar kommt; auch wenn dies einige Philosophen verbreiten. Unser Christsein basiert ja auf das Leben und Sterben Christi. Ausgehend von der Geschichte von Opti und Pessi können wir aber sagen, dass der Gläubige im Hinblick auf den Tod ein beruhigteres Leben führt...

Nun gibt es ja viele Dinge, woran ich glauben kann. Wenn ich am Wochenende etwas geplant habe, glaube ich, dass es ein schönes Wochenende wird. Wenn der Verliebte eine Verabredung mit seiner Geliebten hat, glaubt er an einen schönen und glücklichen Abend. Ich glaube auch an meine Freundin, meinen Freund, glaube, dass sie/ dass er mich nie enttäuschen wird. Ich vertraue ihn. Ich glaube auch an meinen Kollegen, der mich nicht im Stich lassen wird, wenn ich ihn brauche.

Glaube ist Vertrauen, denn ich glaube daran, dass es so eintrifft, dass ich nicht enttäuscht werde. Wenn ich glaube, dann lebe ich auch nicht mit der Angst, enttäuscht zu werden. Pessi würde den Menschen ganz anders begegnen. Er wird Gerüchte oder negative Erfahrungen zu Rate ziehen und schließlich zum Ergebnis kommen, dass man den Menschen nicht trauen kann. Selbst wenn dieser Mensch nie enttäuscht hat, so sieht Pessi das Potential dafür. Ein Pessi kann sich auf keinen verlassen, weil er nicht an ihn glaubt, und damit gibt er ihm auch nicht die Möglichkeit, sich zu beweisen. Warum sollte er auch? Pessis Menschen können nicht positiv überraschen!

Opti Mist ist das ganz anders: Er glaubt stets an das Gute im Menschen, selbst wenn dieser ihn aus Pessis Sicht enttäuschen würde. Er würde diese Enttäuschen anders oder gar nicht wahrnehmen. Vermutlich hinterfragt er das Verhalten des anderen solange, bis er der Meinung ist, dass der andere nicht anders hätte reagieren können. Er sei naiv, würde ihm Pessi vorwerfen.

Der Träumer bzw. Gläubige ist folglich naiv. Wenn der Glaube naiv ist, dann wäre es doch auch naiv zu glauben, der Mensch sei schlecht. Aber wer glaubt schon an das Schlechte im Menschen; das weiß man. Warum nehmen wir nicht das Gute im Menschen als Tatsache an. Dann bräuchten wir nicht daran zu glauben, was ja naiv ist.

Wenn wir einen Menschen nicht genügend kennen, können wir nur an ihn glauben; da wäre doch das Gute naheliegender als das Schlechte. An das Gute im Menschen zu glauben ist auch hilfreich in der Bewältigung schlechter Erfahrungen. Es hilft auch unter Kolleginnen und Kollegen. Bedenke: Die Zeit vor einer möglichen Enttäuschung ist oft viel länger als die Enttäuschung selbst, warum sollte ich diese längere Zeit mit den Ängsten verbringen, enttäuscht zu werden? Womöglich bin ich dann enttäusch, wenn die große Enttäuschung ausfällt.

Wenn Gott nicht an uns geglaubt hätte, hätte er uns wahrscheinlich nicht geschaffen. Wenn Gott später nicht mehr an uns geglaubt hätte, hätte er seinen Sohn Jesus nicht vorbei geschickt. Wenn Gott aber gewusst hätte, wie Menschen sein können, hätte er möglicherweise auf den Gedanken kommen können, das Projekt Menschheit fallen zu lassen. Der Glaube versetzt also Berge...

 


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