Gesundheitspolitik
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Gesundheitspolitik -
das System kränkelt

Solange Patienten noch zufrieden behandelt werden, solange sie erfolgreich gesunden und solange 120.000,00 Krankenhausmitarbeiter auf Kosten der Krankenhäuser zu einer mehr oder weniger erfolglosen Demo nach Berlin reisen können, solange ist doch alles gut. Also, was soll das ganze Gejammer?

Solange alles gut ist, solange der Patient zufrieden ist, brauchen die Krankenhäuser nicht mehr Geld, muss der Patient auch nicht eine unnötige Beitragserhöhung befürchten. 

Und solange alles gut ist, können die Politiker das Ihnen vom Steuerzahler anvertraute Geld sinnvoller ausgeben, etwa zur Unterstützung von durch eigenes Verschulden in Mitleidenschaft gezogenen Banken...

Es besteht also kein Grund zur Sorge, liebe Politiker, liebe Manager, lehnt Euch zurück und lasst Euch das Geld in die eigene Tasche fließen. Was immer auch passiert, Gesundheit bleibt bezahlbar, zumindest für die, die das Geld haben...

Gar nichts ist gut, und kein Politiker kann derartig dumm sein, dies nicht zu erkennen. Sie wollen es nicht sehen, denn es würde krank machen, wenn sie das Schicksal jedes Einzelnen sähen. Oder es ist ihnen egal.

In erster Linie bleibt der Mitarbeiter im Gesundheitswesen auf der Strecke, zunächst weniger der Patient. Denn der Krankenhausmitarbeiter hat noch den Anstand, jeden Patienten gesund zu pflegen, auch wenn er dafür Überstunden in Kauf nimmt. Teure – von der Politik vermutlich als „Rechtfertigung“ getarnte – Leitbild- und Qualitätskonzepte zeigen nur nach Außen das Bild einer heilen Krankenhauswelt. Mit dem vorgeschrieben aufgesetzten Lächeln werden die Patienten versorgt; kein Platz und keine Zeit für „Gefühlsduselei“ beider Seiten. Entscheidend ist was hinten raus kommt: Ein gesunder Patient. Das interessiert, dafür sind Krankenhäuser da. Die Bedürfnisse der Mitarbeiter sind zweitrangig.

Nicht eine an der Wirklichkeit vorbei betriebene Politik wird für Fehler im Krankenhaus verantwortlich gemacht, sondern der Mitarbeiter, und der ist -  wenn es notwendig ist – leichter austauschbar. Nicht eine verkorkste Politik wird für Missstände in Krankenhäusern verantwortlich gemacht, sondern es sind die Krankenhäuser, die sich umorganisieren müssen. Wie lange sollen sich die Krankenhäuser noch umorganisieren? Noch weniger Pflegekräfte auf den Stationen? Noch mehr Überstunden? Noch weniger Geld?

Nicht die Krankenhäuser, sondern die Politiker, die Krankenkassen müssen sich umorganisieren. Das Geld muss endlich da ankommen, wo die eigentliche Arbeit geleistet wird, direkt am Patienten. Wir brauchen mehr Pflegekräfte, mehr Ärzte bei attraktiver  Belohnung. Arbeit am Patienten soll wieder Spaß machen, und das kommt dem Patienten auch zu Gute. Wenn die Stationen ausreichend besetzt sind, dann erst sollte man über Leitbilder nachdenken, aber vielleicht werden sie dann nicht mehr gebraucht. Und wenn Zeit und Freude in der Pflege vorhanden sind, dann ist Qualität Selbstverständlichkeit und keine Frage eines teuren Qualitätsmanagements.

Das Geld ist da, es wird nur stümperhaft verwaltet; hier wäre ein gelebtes Leitbild nötiger. Wenn mit dem von uns eingezahlte Geld verantwortungsbewusster umgegangen würde, dann wäre eine ausreichend gute Krankenhausfinanzierung machbar. Und das nicht auf weitere Kosten des Beitragszahlers.

Die Politik, aber auch ein Großteil der Gesellschaft, muss endlich den Wert des Mitarbeiters im Krankenhaus erkennen. Wenn dieser irgendwann einmal zusammenbricht – und er ist kurz davor –, dann bleiben auch die Patienten auf der Stecke. Dann geht es nicht mehr um bloße Wertschätzung, dann geht es um Menschenleben.

 


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