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carnation_01.jpgSexualität - die gesellschaftliche Norm

Seite aktualisiert am 18. März 2007

Auf dieser Seite:
Die sexuelle Gesellschaft - Sex, das Maß aller Dinge
Der andere Sex
Behinderung, Sexualität und Kirche

Die sexuelle Gesellschaft  -
Sex, das Maß aller Dinge

    Wenn man den täglichen Talkshows glauben will, so hat er, so hat sie, mit 14 Jahren das erste sexuelle Erlebnis. Wenn dann ein 20jähriger sagt, er würde noch kein Sex gehabt haben, so wird er von vielen belächelt. Hier wird eine Konsumgesellschaft geprägt, in der der Sex einfach dazu gehört, als ob man ohne Sex nicht mehr leben könne. Was für viele selbstverständlich ist, ist für andere belastend, bedrückend, frustrierend. Sie stehen mit ihren sexuellen Wünschen allein, weil sie keine Möglichkeit haben, sexuell befriedigt zu werden, und weil ihnen ständig vor Augen geführt wird, ihnen fehle etwas.

    Natürlich gehört die Sexualität zu unserem Leben und sie spielt dabei eine sehr große Rolle; aber sie ist nicht das Maß aller Dinge. Während wir glücklicherweise gelernt haben, mit der Sexualität freier umzugehen, besteht zunehmend die Gefahr, dass die Gesellschaft damalige Werte der Sexualität verliert! Schön, dass wir unsere Lust freizügig ausleben dürfen, aber lasst uns nicht meinen, wir seien das Maß aller Dinge. Sexualität ist und bleibt hoffentlich ein individuelles Gut, und darf nicht zu einem Konsumgut verkommen.

    Sexualität (er-)lebt jeder Mensch anders, früher oder später.

Der andere Sex

    Auch wenn wir es dem "andersseienden" Menschen nicht ansehen, auch wenn er für uns nur eine Person ist, die möglicherweise unsere Hilfe, unsere Pflege in Anspruch nimmt, hat sie meistens dennoch den Drang, am Leben Lust zu haben, dem Leben mit aller Lust zu begegnen; die Lust zu atmen, zu staunen, zu erleben; die Lust am Essen und natürlich an der sexuelle Lust.

    Es ist doch völlig egal, wie man die Sexualität auslebt. Es gibt keine Normen und in der Liebesbeziehung wird auch das Zwischenmenschliche zur Normalität. Der sogenannte Behinderte wird vielleicht den Sex in Formen erleben, die für den sogenannten "normalen" Menschen viel zu behindert erscheinen. Schließlich geht es beim Sex um mehr als nur das eine.

Behinderung,
Sexualität
und Kirche

Für die katholische Kirche ist die Sexualität ein Akt zweier Ehepartner, aus dem ein neues Leben geboren wird. Sexualität außerhalb der Ehe und ohne den Wunsch eines neuen Lebens (= Empfängnisverhütung) ist nicht vorgesehen, wird von der Kirche als unchristlich gesehen.

Soweit, so gut, und es mag ja Menschen geben, die dieses christliche Verständnis von Liebe und Sexualität leben. Bei diesen Menschen stimmt dann auch das Umfeld, sie können es sich leisten, zu heiraten, Kinder zu kriegen. Behinderte Menschen habe nicht immer diesen Halt, das soziale Umfeld, sie können nicht heiraten oder Kinder kriegen. Bleibt ihnen die Sexualität verwehrt?

Und wenn die katholische Kirche das Leben behinderter Menschen aufwertet, selbst die Sexualität behinderter Menschen wurde durch Papst Johannes Paul II als ein wichtiges Gut angesehen, heißt das eben nicht, dass die Kirche die Sexualität zumindest für diese Menschen außerhalb der Ehe zulässt. Dies wurde seinerzeit von vielen Medien vermutlich falsch interpretiert. Eine Kirche mit o. g. "Lebensprinzipien" bleibt bei seiner Aussage, sie unterstreicht lediglich, dass auch behinderte Menschen ein Recht auf Normalität haben. Diese Normalität heißt für die Kirche nach wie vor: Heiraten, Sex haben und Kinder kriegen.

Natürlich kann die Kirche bei behinderte Menschen keine Ausnahme machen, macht sie sich doch unglaubwürdig gegenüber den Christen, die das Lebensprinzip leben. Wenn man hier Kritik üben möchte, so ist das Lebensprinzip in Frage zu stellen. Meiner Meinung nach muss eine Kirche, die das Leben schützen möchte, seine Haltung zu Empfängnisverhütung und Ehe überdenken. Leben heißt auch Sexualität, auch für diejenigen, die nicht heiraten können oder dürfen, auch diejenigen, die aufgrund ihrer Behinderung oder Lebensituation nicht Kinder kriegen können.

 


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